Nov
03
2008

US Wahl 2008

Mein Interesse an den US Präsidentschaftswahlen 2008 beschränkt sich schon lange nicht mehr auf rein berufliche Aspekte – schließlich betreiben wir einen US Election 2008 Web Monitor . Die damit einhergehende Beschäftigung mit diesem Themenbereich und den amerikanischen Eigenheiten im Wahlsystem hat auch mein persönliches Interesse geweckt, und so sehe ich den nächsten Tagen mit Spannung entgegen.

Da der US Election 2008 Web Monitor eher die Vergangenheit analysiert, indem er Beliebtheit und Medienecho der Präsidentschaftskandidaten und deren Parteien in der jeweiligen Vorwoche veranschaulicht, kann ich auch keine Prognosen abgeben. Rein vom Sentiment (unserer Kennzahl für Beliebtheit) ist und war Barack Obama stets vor seinem Mitstreiter John McCain einzuordnen – und auch die Demokraten insgesamt liegen und lagen laut unserer Ergebnisse stets vor den Demokraten.

Zieht man jedoch die Attention (unsere Kennzahl für die Medienpräsenz eines Kandidaten oder einer Partei) heran, so haben die Republikaner seit Anfang September 2008 die Demokraten überholt. Dies ist weniger der gleich bleibenden Berichterstattung über John McCain zu verdanken, sondern seinem/seiner Running Mate Sarah Palin zuzuschreiben. Die Berichterstattung über Sarah Palin war geprägt von Skandalen (zumindest sehen die Amerikaner eine unverheiratete schwangere Tochter als solchen) und Peinlichkeiten (die Sache mit ihrer Garderobe etc.) – sorgte jedoch zumindest für einen schnellen Bekanntheitsgrad. Barack Obamas Running Mate Joe Biden kann da mit einer recht ereignislosen und damit geringen Medienpräsenz nichts entgehen halten.

Viel mehr als das endgültige Resultat der Wahl beschäftigt mich momentan die Frage, wie Europa damit umgehen wird, wenn es genauso wie 2004 wieder Unregelmäßigkeiten am laufenden Band geben wird. Wir erinnern uns, 2004 gewann George W. Bush durch das Wahlmännersystem, obwohl er eigentlich weniger Stimmen als sein Konkurrent John Kerry erhalten hatte. Laut ORF.at war das in der Geschichte von 43 US Präsidenten bereits 17 mal der Fall. In jeden Bundesstaat gehen alle Wahlmänner an den Sieger, dabei ist es unerheblich, wie viele Stimmen der Zweitplatzierte erhält. Diese Wahlmänner sind dann nicht einmal daran gebunden, welchem Präsidentschaftskandidat sie ihre Stimme geben!

Das aktuell praktizierte Wahlsystem stammt aus dem Jahre 1804, es gibt kein Wählerverzeichnis, da kein Melderecht wie in Europa existiert. Eine überraschend hohe Wahlbeteiligung wird wohl die Wahllokale überfordern, die als bereits im Vorfeld nicht als richtig funktionierend geltenden Wahlmaschinen werden auch wieder zum Einsatz kommen. Die Frage ist nicht, ob es Probleme geben wird, sondern wie groß diese Probleme sein werden.

“Ist Amerika bereit zur Wahl” titelt eine von mehreren Bürgerrechtsgruppen veröffentlichte Studie – deren Antwort ist “Nein” – und da möchte ich mich gleich anschließen. In Anbetracht der weitreichenden Auswirkungen dieser Entscheidung auf die ganze Welt wird hier wirklich zu wenig dafür getan, Probleme bereits im Vorfeld zu vermeiden und einen reibungslosen Ablauf der Wahl zu gewährleisten.

Written by DerStern in: News |

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